Herz in Gefahr: Was tun bei Angina Pectoris, Herzinfarkt & Co.?

Bei akuten Herzerkrankungen wie einem Herzinfarkt und/oder Angina pectoris besteht unmittelbare Lebensgefahr und ein Wettlauf mit der Zeit beginnt. Denn wie hoch die Überlebenschancen sind und ob schwerwiegende Beeinträchtigungen zurückbleiben, hängt wesentlich davon ab, wie viel Zeit bis zur medizinischen Notfallbehandlung verstreicht.

© Radius Images/Corbis

Die Chance, ein akutes koronares Ereignis ohne größeren Schaden zu überstehen, war noch nie so gut wie heute. Die Anzeichen zu kennen und richtig zu interpretieren sowie schnell und sicher zu reagieren, rettet oft Leben. Besuchen Sie einen Erste-Hilfe-Kurs oder frischen Sie Ihr Wissen auf, wenn Ihr letzter Kurs zu lange zurückliegt - dann können Sie im Notfall effektiv helfen.  

Wie erkenne ich einen akuten Herzinfarkt?

  • Heftiger Druck und anhaltende, schwere Schmerzen in der Brust (länger als 15 Minuten, unabhängig von Körperbewegungen oder der Atmung), oft verbunden mit Atemnot und Todesangst.
  • Der Schmerz kann in den ganzen Brustkasten, zwischen die Schulterblätter, in die Arme, den Hals, Unterkiefer oder Oberbauch ausstrahlen.
  • Blasse, fahle Gesichtsfarbe, unerklärliche Erschöpfung, plötzliche heftige Übelkeit, heftiger Durchfall, Erbrechen, Schwäche, Schweißausbruch, Atemnot und unregelmäßiger Puls gehören zu den Begleitsymptomen.

Angina pectoris oder Herzinfarkt?

Angina pectoris-Anfälle („Brustenge“) treten vor allem unter körperlicher oder psychischer Belastung auf und lösen ähnliche Beschwerden aus wie ein Herzinfarkt. Es gibt jedoch einen wesentlichen Unterschied: Die Schmerzen bessern sich innerhalb weniger Minuten oder verschwinden ganz, entweder durch Medikamente (z. B. Nitrospray) oder durch Ausruhen.

Tipps für den Notfall – das ist zu tun

Den Herzinfarkt erkennen und schnell reagieren – das ist jedes Jahr für über 200.000 Menschen überlebenswichtig. Meist sind es die Angehörigen, oft der Partner, die einen kühlen Kopf bewahren und das Notwendige tun. Doch immer mehr Menschen leben allein und müssen sich selbst behelfen. 

Wählen Sie die 112

Bei einem Herzinfarkt zählt jede Minute. Ohne Zeitverzögerung müssen Betroffene ins rettende Krankenhaus gebracht werden. Rufen Sie bitte sofort den Rettungsdienst (Rufnummer 112), wenn bei Ihnen oder einer anderen Person oben genannte Beschwerden einzeln oder in Kombination auftreten. Äußern Sie den Verdacht auf Herzinfarkt und beantworten Sie dem Rettungsdienst folgende Fragen: WO ist der Notfall? (genaue Adresse, Stockwerk, Telefonnummer), WELCHE Beschwerden?, WARTEN Sie immer auf Rückfragen der Notrufleitstelle.

Achtung: Der ärztliche Not- bzw. Bereitschaftsdienst ist kein Rettungsdienst, sondern ersetzt am Wochenende oder nachts den Hausarzt. Es dauert oft lange, bis der ärztliche Bereitschaftsdienst eintrifft. Verlieren Sie keine Zeit und wählen Sie sofort die 112! Fahren Sie nicht mit dem Auto ins Krankenhaus bzw. lassen Sie sich nicht von Angehörigen bringen, denn tritt das lebensbedrohliche Kammerflimmern auf, kann nur der Defibrillator helfen, mit dem jeder Rettungswagen ausgestattet ist.

Entlasten Sie das geschwächte Herz

Bis der Rettungsdienst eingetroffen ist, sind folgende Maßnahmen zu Entlastung des geschwächten Herzens sinnvoll:

  • Lagern Sie den Patienten/die Patientin mit angehobenem Oberkörper oder sitzend.
  • Öffnen Sie enge Kleidung wie Hemdkragen, Krawatte, BH oder Gürtel.
  • Schalten Sie Radio und Fernseher ab und sorgen Sie für Ruhe.
  • Bleiben Sie unbedingt in der Nähe, Betroffene leiden oft unter starken Ängsten. Überwachen Sie die Atmung, reden Sie mit dem Patienten bzw. der Patientin und versuchen Sie, ihn oder sie zu beruhigen.

Wiederbelebungsmaßnahmen bei Kreislaufstillstand

Im Zuge eines Herzinfarktes kann es innerhalb kurzer Zeit zu einem Kreislaufstillstand kommen, da der Körper nicht mehr ausreichend mit lebenswichtigem Sauerstoff versorgt wird und das Herz kein Blut mehr zu den Organen pumpt. In dem Fall muss sofort gehandelt und mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen werden. Auch wenn man unsicher ist: Gar nichts zu tun, ist ein größerer Fehler, als etwas nicht ganz richtig zu tun!

Folgende Anzeichen weisen auf einen Kreislaufstillstand hin: Bewusstlosigkeit (der oder die Betroffene reagiert nicht auf Ansprache) sowie fehlende oder unnormale Atmung (z. B. nur gelegentliche, langsame, geräuschvolle oder schnappende Atemzüge.)

Beginnen Sie in dem Fall mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung:

  • Knien Sie sich neben den Betroffenen und legen beide Hände übereinander auf den Brustkorb in Herzhöhe.
  • Mit durchgestreckten Armen und einer Frequenz von 100 bis 120 Druckstößen pro Minute starten Sie die Herzmassage. Drücken Sie dabei kräftig mit dem Handballen.
  • Nach je 30 Druckstößen beatmen Sie den Patienten zweimal von Mund zu Mund oder Mund zu Nase. Sind Sie dafür zu unerfahren oder unsicher, konzentrieren Sie sich bitte auf die Herzdruckmassage.
  • Fahren Sie damit fort, bis der Notarzt übernimmt.

Herzgesunde Fakten

Regelmäßiges Training  senkt den Bluthochdruck ähnlich wie manches Medikament.
Kirschen und rote Beeren enthalten entzündungshemmende Stoffe, die Herz und Blutgefäße schützen.
Depressionen belasten das Herz ähnlich stark wie das Rauchen.
Ein bis zwei Fischmahlzeiten pro Woche können das Herzerkrankungsrisiko um bis zu 40 Prozent reduzieren.
Klassische Musik wirkt wohltuend auf unser Herz. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben sich vor allem Werke von Komponisten wie Bach und Mozart bewährt.
Ein hoher Zuckeranteil in der Nahrung fördert nicht nur Übergewicht, sondern auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Nach einer neuen Studie stieg die kardiovaskulär bedingte Sterberate prozentual mit dem Zuckerkonsum der Probanden.
Akuter emotionaler Stress ist bei Frauen häufigster, bei Männern zweithäufigster Infarktauslöser.
Der tägliche Verzehr von einem Stück dunkler Schokolade kann das Risiko für Herzerkrankungen senken. Die im Kakao enthaltenen Flavonoide haben einen positiven Effekt auf die Elastizität der Blutgefäße und den Blutdruck.
Frischer Knoblauch ist in der Lage, hohe Blutfettwerte zu senken und zur Normalisierung des Blutdrucks beizutragen. Er soll sogar Blutgerinnsel auflösen und freie Radikale unschädlich machen.
Gute Zahnhygiene trägt vermutlich zu einem gesunden Herzen bei. Experten glauben, dass Karies oder Entzündungen ein beitragender Faktor zu Herzerkrankungen sein können.
Mindestens sieben Stunden Nachtschlaf täglich senken das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung um 22 Prozent.
Schon ein täglicher Spaziergang von 30 bis 45 Minuten halbiert das Risiko für Durchblutungsstörungen in den Herzkrankgefäßen.
Sex regt nicht nur das Immunsystem an, sondern beugt auch Herzerkrankungen vor. Durch die körperliche Belastung wird das Herz-Kreislauf-System trainiert, zusätzlich schütten wir Hormone aus, die Stress abbauen und glücklich machen.
Der Verzehr von 5 Gramm Transfettsäuren steigert das Herzinfarktrisiko um 25 Prozent. Zum Vergleich: Eine Portion Pommes hat 6,8 Gramm Transfette.
Das Infarktrisiko einer 50-jährigen Raucherin ist viermal so hoch wie das einer gleichaltrigen Nichtraucherin.
Hundebesitzer haben ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das tägliche Gassi-Gehen hält fit, hinzu kommt die beruhigende Wirkung eines Tieres.
Mindestens 80 Prozent der Herzerkrankungen lassen sich durch einen gesünderen Lebenswandel und dem Vermeiden der bekannten Risikofaktoren verhindern.
Ärger macht krank. Wer sich ständig über den Partner, die Kinder oder Kollegen ärgert, hat ein um 30 Prozent erhöhtes Infarktrisiko.
Das Risiko, an einem Herzinfarkt zu sterben, ist bei Menschen, die im Alltag vorwiegend sitzen, doppelt so hoch ist wie bei denjenigen, die täglich körperlich aktiv sind.
Ballaststoffe schützen das Herz. Sie sorgen nicht nur für eine geregelte Verdauung, sondern wirken antientzündlich und haben positive Auswirkungen auf Blutzucker- und Insulinspiegel.
Ein Jahr nach dem Rauchstopp sinkt das Risiko für eine Koronare Herzkrankheit auf etwa die Hälfte.
Regelmäßiger Sport verbessert den Zustand der Blutgefäße und repariert sogar teilweise bereits entstandene Schäden.
Vegetarier weisen im Vergleich zu anderen Bevölkerungsgruppen das niedrigste Herzrisiko auf. Um das schädliche LDL-Cholesterin möglichst zu vermeiden, sollten Fleisch und tierische Fette deshalb reduziert werden.

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Über 300.000 Menschen erleiden in Deutschland jedes Jahr einen Herzinfarkt.

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