Frauenherzen schlagen anders

Immer noch werden Herzinfarkte und Co. als typisches Männerproblem gesehen, Frauen wiegen sich gern in Sicherheit. Die ist allerdings trügerisch: Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weit vor Krebserkrankungen die häufigste Todesursache, auch bei Frauen. Ein Herzinfarkt ist somit für beide Geschlechter Risiko Nummer Eins.

© Ale Ventura/PhotoAlto/Corbis

Frauen haben, zumindest bis sie in die Wechseljahre kommen, einen gesundheitlichen Vorteil gegenüber Männern: Herzerkrankungen sind bei ihnen seltener. Die weiblichen Geschlechtshormone wirken wie ein Schutzschild für die Herzkranzgefäße, indem sie unter anderem das Verhältnis der Blutfette positiv beeinflussen. Doch mit der nachlassenden Östrogenproduktion während der Wechseljahre wendet sich das Blatt: Die Erkrankungshäufigkeit steigt bei Frauen auf das Dreifache an und liegt sogar höher als bei Männern gleichen Alters.

Hinzu kommt die traurige Tatsache, dass Herzinfarkte bei Frauen häufiger tödlich verlaufen als bei Männern. Der Grund: "Weibliche"Symptome für einen Herzinfarkt sind oft untypisch. Das kann zu gefährlichen Fehleinschätzungen auf der Seite der Betroffenen führen und infolgedessen zu einer Verzögerung lebensrettender Maßnahmen.

Andere Warnzeichen bei Frauen
Typische Symptome für einen Herzinfarkt sind starke Schmerzen im Brustkorb, die in die Arme, zwischen die Schulterblätter oder den Rücken ausstrahlen. Diese klassischen Symptome treffen jedoch in erster Linie auf Männer zu. Frauen haben dagegen oft untypische Beschwerden wie Schmerzen im Oberbauch oder Übelkeit und Erbrechen, die anfangs eher an einen Magen-Darm-Infekt denken lassen. Sie berichten weiterhin von unerklärlicher Müdigkeit, Atemnot, Herzrasen, Kopfschmerzen und Schlafstörungen im Vorfeld einer Herzerkrankung. Weil diese Symptome sehr unspezifisch sind und viele Frauen erst einmal abwarten, kommen sie im Fall eines Herzinfarkts durchschnittlich eine Stunde später als Männer in die Klinik, gerechnet vom Beginn der ersten Herzinfarkt-Anzeichen.

Andere Gewichtung der Risikofaktoren

Nicht nur die Alarmzeichen für einen bevorstehenden Herzinfarkt sind andere, auch wie es dazu kommt, unterscheidet sich bei den Geschlechtern: Zwar sind die Risikofaktoren für eine Herzerkrankung dieselben, Frauen sind allerdings von einzelnen dieser Risiken stärker betroffen. So kann Rauchen die schützende Wirkung der weiblichen Hormone bereits vor den Wechseljahren lahmlegen. Schon bei drei Zigaretten täglich verdoppelt sich das Risiko eines Herzinfarktes für Frauen. Bei Männern gelten sechs Zigaretten als kritisch. Besonders gefährdet sind Raucherinnen, die die Pille nehmen. Auch die Zuckerkrankheit Diabetes ist für Frauen doppelt gefährlich: Im Vergleich zu Männern erhöht sie das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung um mehr als das Zweifache.

Besser informiert und vorgesorgt

Die Symptome des sogenannten Eva-Infarktes zu kennen und sie ernst zu nehmen, ist nicht nur für die Frauen selbst wichtig. Auch bei Partnern und Angehörigen besteht Informationsbedarf, um denen im Notfall helfen zu können, die ihnen am Herzen liegen. Damit es gar nicht soweit kommt, kann jede Frau selbst aktiv werden: Im Mittelpunkt einer wirksamen Vorbeugung steht ein herzgesunder Lebensstil und die Reduktion von Risikofaktoren. Neben den regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt und der Kontrolle der drei B´s – Blutdruck, Blutzucker und Blutfette – sollten Frauen wie Männer ihrem Körper aufmerksam gegenüberstehen und bei ungewöhnlichen Schmerzen sofort einen Arzt aufzusuchen.

Herzgesunde Fakten

Regelmäßiges Training  senkt den Bluthochdruck ähnlich wie manches Medikament.
Kirschen und rote Beeren enthalten entzündungshemmende Stoffe, die Herz und Blutgefäße schützen.
Depressionen belasten das Herz ähnlich stark wie das Rauchen.
Ein bis zwei Fischmahlzeiten pro Woche können das Herzerkrankungsrisiko um bis zu 40 Prozent reduzieren.
Klassische Musik wirkt wohltuend auf unser Herz. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben sich vor allem Werke von Komponisten wie Bach und Mozart bewährt.
Ein hoher Zuckeranteil in der Nahrung fördert nicht nur Übergewicht, sondern auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Nach einer neuen Studie stieg die kardiovaskulär bedingte Sterberate prozentual mit dem Zuckerkonsum der Probanden.
Akuter emotionaler Stress ist bei Frauen häufigster, bei Männern zweithäufigster Infarktauslöser.
Der tägliche Verzehr von einem Stück dunkler Schokolade kann das Risiko für Herzerkrankungen senken. Die im Kakao enthaltenen Flavonoide haben einen positiven Effekt auf die Elastizität der Blutgefäße und den Blutdruck.
Frischer Knoblauch ist in der Lage, hohe Blutfettwerte zu senken und zur Normalisierung des Blutdrucks beizutragen. Er soll sogar Blutgerinnsel auflösen und freie Radikale unschädlich machen.
Gute Zahnhygiene trägt vermutlich zu einem gesunden Herzen bei. Experten glauben, dass Karies oder Entzündungen ein beitragender Faktor zu Herzerkrankungen sein können.
Mindestens sieben Stunden Nachtschlaf täglich senken das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung um 22 Prozent.
Schon ein täglicher Spaziergang von 30 bis 45 Minuten halbiert das Risiko für Durchblutungsstörungen in den Herzkrankgefäßen.
Sex regt nicht nur das Immunsystem an, sondern beugt auch Herzerkrankungen vor. Durch die körperliche Belastung wird das Herz-Kreislauf-System trainiert, zusätzlich schütten wir Hormone aus, die Stress abbauen und glücklich machen.
Der Verzehr von 5 Gramm Transfettsäuren steigert das Herzinfarktrisiko um 25 Prozent. Zum Vergleich: Eine Portion Pommes hat 6,8 Gramm Transfette.
Das Infarktrisiko einer 50-jährigen Raucherin ist viermal so hoch wie das einer gleichaltrigen Nichtraucherin.
Hundebesitzer haben ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das tägliche Gassi-Gehen hält fit, hinzu kommt die beruhigende Wirkung eines Tieres.
Mindestens 80 Prozent der Herzerkrankungen lassen sich durch einen gesünderen Lebenswandel und dem Vermeiden der bekannten Risikofaktoren verhindern.
Ärger macht krank. Wer sich ständig über den Partner, die Kinder oder Kollegen ärgert, hat ein um 30 Prozent erhöhtes Infarktrisiko.
Das Risiko, an einem Herzinfarkt zu sterben, ist bei Menschen, die im Alltag vorwiegend sitzen, doppelt so hoch ist wie bei denjenigen, die täglich körperlich aktiv sind.
Ballaststoffe schützen das Herz. Sie sorgen nicht nur für eine geregelte Verdauung, sondern wirken antientzündlich und haben positive Auswirkungen auf Blutzucker- und Insulinspiegel.
Ein Jahr nach dem Rauchstopp sinkt das Risiko für eine Koronare Herzkrankheit auf etwa die Hälfte.
Regelmäßiger Sport verbessert den Zustand der Blutgefäße und repariert sogar teilweise bereits entstandene Schäden.
Vegetarier weisen im Vergleich zu anderen Bevölkerungsgruppen das niedrigste Herzrisiko auf. Um das schädliche LDL-Cholesterin möglichst zu vermeiden, sollten Fleisch und tierische Fette deshalb reduziert werden.

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